Wissenswertes

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Schweinezucht

Keine Nummern, Individuen.

Schweine sind Lebewesen, keine Nahrungsmittel. Sie wollen leben wie du und ich – wie alle Lebewesen auf dieser Welt. In Deutschland gehören Schweine zu den am stärksten ausgebeuteten Tieren. Etwa 60 Millionen von ihnen werden jährlich geschlachtet – und die vielen Ferkel, die es nicht bis in die Mast schaffen, tauchen in dieser Statistik gar nicht auf. Daher wollen wir den Schweinen, die in der Industrie nur eine Nummer sind, ein Gesicht geben und falsche Vorurteile aus dem Weg räumen.

Ferkel Schlamm

Das Leben einer Zuchtsau

Auf einen Blick

Zahlen und Fakten über Schweine aus der Zucht.

Kilogramm kann eine ausgewachsene Muttersau auf die Waage bringen

Monate sind die Mastschweine alt, wenn sie geschlachtet werden

Ferkel bringt eine Zuchtsau im Schnitt pro Geburt zur Welt

Centimeter ist die Schulterhöhe der ausgewachsenen Tiere

Centimeter sind die Kastenstände breit, in denen die Sauen sich kaum bewegen können

Prozent der Ferkel überleben die Haltung im Zucht- oder Mastbetrieb nicht

Vorurteile

Schweine neu kennenlernen.

Schweine kennen die meisten Menschen nur als Stück „Fleisch“ in einer Plastikverpackung – egal ob aus dem Supermarkt oder von der Bio-Fleischerei. Das Lebewesen hinter dem Produkt wird vergessen. Es ist natürlich, dass wir uns lieber nicht mit den Konsequenzen unseres Konsums auseinandersetzen. Die Erzählung vom dreckigen Ferkel, der dummen Sau und der artgerechten Schlachtung möchten wir hier aufbrechen, die häufigsten Vorurteile aus dem Weg räumen sowie neue Wege im Umgang mit den Tieren aufzeigen.

Schweine sind dreckig

Schweine suhlen sich im Schlamm, um ihre Haut zu schützen und sich abzukühlen. Da sie nicht schwitzen können, schmieren sie sich besonders im Sommer mit einer dicken Schlammschicht ein, die den Körper kühlt und wie eine natürliche Sonnencreme wirkt. Besonders die Ferkel bekommen mit ihrer hellen, rosafarbenen Haut schnell einen Sonnenbrand.

Häufig kann man beobachten, dass die Schweine sich an einem Baum oder anderen Gegenstand reiben, sobald die Haut getrocknet ist. So entfernen sie Zecken und andere Parasiten.

In der konventionellen Tierhaltung sehen wir oft Schweine, die mit ihren eigenen Exkrementen beschmiert sind. Darunter leiden sie enorm, denn sie sind eigentlich sehr reinliche Tiere und haben eine sehr starke Abneigung gegen die eigenen Fäkalien. Auf unserem Lebenshof würde ein Tier niemals sein Geschäft dort verrichten, wo es auch schläft oder frisst. Daher gibt es im Stall eine extra Toilettenecke – fast so wie bei uns Menschen.

Schweine sind dumm
„Du dumme Sau“ gilt in unserer Gesellschaft als üble Beleidigung. Dabei müsste es fast ein Kompliment sein, als Schwein bezeichnet zu werden. Sie sind nämlich sehr kluge und soziale Lebewesen. Ihre Intelligenz ist mit der von dreijährigen Menschenkindern oder Hunden vergleichbar. Ähnlich wie bei Primaten wurde beobachtet, dass Schweine Werkzeuge benutzen, z. B. Baumrinde zum graben.

Es ist sogar ziemlich leicht, ihnen etwas beizubringen. So merken sie sich beispielsweise Uhrzeit (Essenszeit!), ihren Namen, bestimmte Gegenstände oder erkennen Menschen wieder, die sie jahrelang nicht gesehen haben. Forscher:innen konnten zeigen, dass sie auch Formen unterscheiden, einfache Videospiele mit einem Controller spielen können und sich selbst im Spiegel erkennen.

Dies alles ist nicht verwunderlich, wenn man sich anschaut, wie Schweine in der Natur zusammenleben: Sie bilden komplexe soziale Gruppen, lernen voneinander und kommunizieren auf einem ähnlichen Niveau wie Primaten. Mehr als 20 ihrer Oinks, Grunzlaute und Quieker konnten verschiedenen Situationen zugeordnet werden – vom Werben um ihre Partner bis hin zur Äußerung: „Ich habe Hunger!“.

Schweine sind verfressen

Dieses Vorurteil stimmt. Dass Schweine kein Sättigungsgefühl haben, ist in Freiheit kein großes Problem, da sie selbst ständig auf Nahrungssuche sein müssen. In der Massentierhaltung wird dies ausgenutzt, denn Ferkel und junge Schweine nehmen selbst bei einer relativ geringen Menge an Futter schnell zu. Jungschweine benötigen etwa zwei Kilogramm Futter, um daraus ein Kilogramm Fleisch anzusetzen. Oft bekommen sie Kraftfutter, das teilweise vom anderen Ende der Welt nach Deutschland transportiert wird.

Durch das schnelle Wachstum leiden die Tiere oft unter Gelenkschmerzen und Schwellungen. Ihre kleinen Beinchen können ihr Körpergewicht schon bald nur noch mühsam tragen. Dazu kommt der Bewegungsmangel, durch den die Muskelmasse schwindet.

Auch wenn Schweine besser gehalten und ernährt werden, ist zu bedenken, dass sie einen natürlichen Erkundungstrieb haben. Auf unserem Lebenshof ist das wunderbar zu beobachten: Stundenlang ziehen sie über die Weide und wühlen mit ihrem Rüssel nach Wurzeln und Insekten.

Schweine haben keine Gefühle

Wenn unsere Ferkel und Sauen sich nachts – Bauch an Bauch – ganz eng aneinander kuscheln, träumen sie. Genau wie wir Menschen. Im Traum bewegen sie ihre Beine hin und her. Das ist wunderschön anzusehen.
Auch ist erwiesen, dass sie Gefühle wie Freude, Trauer und Verlust spüren. Wenn ein Artgenosse stirbt, nehmen sie von ihm Abschied und decken ihn mit Stroh zu. Manchmal verweigern sie auch für einige Zeit das Futter.

Schweine sind sehr neugierige Tiere – nicht nur die Ferkel, auch die älteren Sauen wollen immer alles erkunden und beschnüffeln. Wer unseren Hof betritt, wird daher auch direkt von den heran sprintenden Ferkeln begrüßt, die sich dann daran machen, die Hosen und Schnürsenkel zu begutachten – es könnte sich ja um etwas Essbares handeln.

Schweine sind pflegeleicht

Schweine sind keine klassischen „Haustiere“ wie Hunde oder Katzen. Ein Haus mit kleinem Garten ist nicht alles, was sie für ein schönes Leben brauchen. Oft wird unterschätzt, wie viel Zeit die Pflege der Tiere in Anspruch nimmt und wie hoch die gesetzlichen Vorgaben für die Schweinehaltung sind. Da sie alleine einsam werden, müssen sie mindestens zu zweit gehalten werden, und zwei 300 kg schwere Schweine brauchen mehrere hundert Quadratmeter Weidefläche, die sie auch umwühlen dürfen. Wenn du meinst, dass du Schweinen aus der Massentierhaltung einen artgerechten Lebensplatz bieten kannst, dann melde dich bitte bei der Schweine-Vermittlung.

(Nutz-)Tiere

Deine Entscheidung macht einen Unterschied.

Schweine wurden willkürlich dem Begriff „Nutztier“ zugeordnet, um sie für einen wirtschaftlichen Nutzen auszubeuten. Vor langer Zeit war es notwendig für uns Menschen, Schweine und andere Tiere zu essen, um selbst zu überleben. Mit der Art und Weise, wie wir heutzutage mit den sogenannten Nutztieren umgehen, hat das jedoch nichts mehr zu tun. Ganz im Gegenteil, es gibt nur drei Gründe, aus denen heute in Deutschland noch Tiere konsumiert werden: Geschmack, Gewohnheit und Tradition.

Bei unseren „Haustieren“ würden wir dies niemals als Rechtfertigung für deren Ausbeutung und Tötung ansehen. Wer zu Hause einen Hund oder eine Katze hat, weiß, dass Tiere nicht nur Schmerzen empfinden, sondern auch komplexe Gefühle haben, dass sie mehr als genügend Auslauf, Sauberkeit und eine gewaltlose Behandlung benötigen um glücklich zu sein. Sie brauchen Aufmerksamkeit, Zuneigung, Unterhaltung und eine soziale Struktur, in der sie sich geborgen fühlen können. Egal ob konventionelle Landwirtschaft, „bio“ oder „Freilandhaltung“ – man kann intelligenten, fühlenden Lebewesen nicht gerecht werden, wenn man sie als Produkte ansieht.

Macht uns der Konsum von tierischen Produkten zu einem schlechten Menschen? Natürlich nicht. Wir wurden alle in eine Gesellschaft hineingeboren, in der es als normal, notwendig und natürlich gilt, andere Lebewesen zu töten und zu essen. Doch es ist an der Zeit, den gesellschaftlichen Umgang mit Tieren zu hinterfragen. Wichtig ist auch, sich über die Praktiken der Tierindustrie zu informieren und nicht blind der Werbung zu glauben, wenn es heißt, dass bestimmte Siegel für mehr Tierwohl stehen.

Wir vom Lebenshof Ferkelnest sind davon überzeugt, dass die Tierindustrie abgeschafft werden muss. Natürlich hängen die Existenzen vieler hart arbeitender Menschen an der Zucht, Mast und Schlachtung von Tieren. Daher hoffen wir, dass der Umstieg von Ferkelzucht, Rindermast und Eierproduktion und Co. auf eine bio-vegane Landwirtschaft in Zukunft staatlich gefördert wird. Doch wir dürfen nicht auf die Politik warten, sondern müssen schon heute anfangen, unser Konsumverhalten – und damit den Markt – zu verändern. Daher leben wir vegan.

Video: Bioland-Schweinemast